Einführung eines „Design and Build“-Ansatzes
In der Hoffnung, diese gewünschte Flexibilität zu erreichen, entschied sich München für einen „Design and Build“-Ansatz. Anstatt für ein neutrales Layout zu entwerfen, das oft in einem Kompromiss mit ebenso neutralen Produkten endet, die ein durchschnittliches Gepäckfördersystem bilden, entschied sich München, seinen Systemdesigner von vornherein einzubeziehen und nur den Rahmen und die Bedingungen festzulegen, die er von der BHS verlangte.
Durch die Einführung eines „Design and Build“-Ansatzes konnte München die Forschung und das technische Know-how des Systemanbieters nutzen, der am besten wusste, wie das System zu entwerfen ist, um die Vorteile der Technologie für den Flughafen optimal zu nutzen. Es konnte auch das Building Interface Management in der Bauphase implementieren und die Ausführungszeit deutlich verkürzen.
Die praktischen Vorteile dieses neuen Prozesses zeigen sich beispielsweise am Bedarf des Flughafens München an zusätzlicher Frühgepäcklagerung (EBS). Vor zwanzig Jahren riet der Systemanbieter dem Flughafen, dass die Implementierung dezentraler EBS-Einheiten für das spezielle Layout und die Bedürfnisse Münchens besser geeignet wäre, als eine große zentrale EBS einzurichten, und dass diese Designkonfiguration es München ermöglichen würde, seine EBS im Laufe der Zeit zu erweitern.
Der Flughafen München verfolgt dieses Designkonzept auch heute noch und hat 2015 seine EBS erweitert, die mit dem Rest des ursprünglichen Systems verbunden und integriert ist.
Das Endergebnis: Ein neues ICS-Gepäckfördersystem
Die Entscheidung für ein modulares, behälterbasiertes System ICS im Jahr 2003 ermöglichte es, die Kapazität und die Leistungen der BHS im Terminal 2 des Flughafens München wie folgt zusammenzufassen:
- Kompakte Bauweise: Das System umfasste zunächst eine Gesamtlänge von fast 40 Kilometern, konnte aber mit seiner kompakten Struktur die Gebäude Grundfläche optimal nutzen.
- Hochgeschwindigkeitstransport: Seine Hochgeschwindigkeitsspuren im Tunnel konnten Transferverbindungen innerhalb von 30 Minuten unterstützen.
- Hoher Durchsatz: Mit einer Sortierkapazität von ca. 20.000 Gepäckstücken pro Stunde.
- Fehlerfreie Sendungsverfolgung: Die Gepäckstücke verbleiben in ihren Behältern, wodurch es nahezu keine verloren gegangenen Gepäckstücke gibt und eine hundertprozentige Erfassungsrate für die Gepäckdaten erreicht wird.
- In-Tote-Sicherheitskontrollsystem: Die Gepäckstücke verbleiben während der Sicherheitskontrolle in den Behältern, was die Möglichkeiten der Sendungsverfolgung weiter verbessert.
- Hohe Sortiergenauigkeit: Es gibt fast keine Fehllesungen, wodurch der Bedarf an manuellen Codierstationen deutlich reduziert und Platz und Betriebspersonal eingespart werden.
- Systemzuverlässigkeit: Das System ist zu 99,9 Prozent verfügbar, ohne dass es durch loses Gepäck zu Systemstaus kommt, wodurch die Ausfallzeit reduziert und die Notwendigkeit einer manuellen Beseitigung von Gepäckstaus verringert wird.
- Weniger Ressourcen erforderlich: Mit ICS werden weniger Ressourcen für manuelle Codierstationen (MES) benötigt, da ‚Fehllesungen‘ selten vorkommen.
- Geringer Ersatzteilverbrauch: Die geringe Anzahl unterschiedlicher Elementtypen ermöglicht zusammen mit der modularen Bauweise der Elemente den Einsatz der gleichen Ersatzteiltypen überall und reduziert so den gesamten Ersatzteilbestand.
- Energieverbrauch: Der Energieverbrauch insgesamt ist geringer. Eine superintelligente dynamische Gepäckflusssteuerung versorgt die Systemelemente nur dann mit Strom, wenn sich ein Behälter nähert. Daher ist der Energieverbrauch insgesamt etwa halb so hoch wie bei jeder herkömmlichen BHS-Technologie.
- Möglichkeit zukünftigen Wachstums: In den letzten 20 Jahren hat sich die Gesamtsystemlänge auf rund 45 Kilometer und die Gesamtzahl der EBS-Positionen um 25 Prozent erhöht.